Konsignationslager und wem die Ware gehört
Ein Konsignationslager ist ein Warenlager des Lieferanten beim oder nahe beim Kunden, aus dem der Kunde bei Bedarf entnimmt. Bis zur Entnahme bleibt die Ware Eigentum des Lieferanten und steht in seiner Bilanz. Berechnet wird nur, was entnommen wurde.

Kurz beantwortet
- Eigentum und Verfügungsmacht gehen erst mit der Entnahme auf den Kunden über.
- Rechnung und Lieferung entstehen mit der Entnahme, abgerechnet wird häufig monatlich.
- In Deutschland ist der Konsignationslagervertrag ein Lagervertrag nach § 467 HGB mit kaufrechtlichen Elementen.
- Bei Lagern in einem anderen EU-Staat gilt seit 1. Januar 2020 die Konsignationslagerregelung, in Deutschland § 6b UStG.
- Beim Vendor Managed Inventory steuert der Lieferant den Bestand, das Eigentum wechselt aber in der Regel wie bei einer normalen Lieferung.
Für den Einkauf ist das Modell interessant, weil Material bereitliegt, ohne dass es vorher bezahlt werden muss. Damit es im Alltag funktioniert, müssen Entnahme, Bestand und Abrechnung vorher sauber vereinbart sein. Wer über eine Landesgrenze hinweg lagert, sollte außerdem die Umsatzsteuer im Blick haben.
So funktioniert ein Konsignationslager
Der Lieferant legt Ware in ein Lager, das beim Kunden oder in seiner Nähe liegt, oft direkt in den Räumen des Kunden. Der Kunde nimmt heraus, was er für die Produktion braucht. Fachlich heißt der Lieferant Konsignant und der Kunde Konsignatar. Wir bleiben hier bei Lieferant und Kunde.
Solange die Ware im Lager liegt, gehört sie dem Lieferanten und bleibt in seinem bilanziellen Bestand. Die IHK Köln beschreibt den Übergang so: Erst mit der Entnahme geht die Verfügungsmacht beziehungsweise das Eigentum auf den Kunden über. Mit der Entnahme entsteht auch die Lieferung, auf der die Rechnung beruht. In der Praxis wird häufig monatlich abgerechnet, auf Basis der entnommenen Mengen.
Rechtlich ist der Konsignationslagervertrag in Deutschland ein Lagervertrag nach § 467 HGB mit kaufrechtlichen Elementen. Nach § 467 HGB verpflichtet sich der Lagerhalter, das Gut zu lagern und aufzubewahren. Der Einlagerer zahlt die vereinbarte Vergütung.
Was im Vertrag geregelt werden sollte
Ein Konsignationslager läuft nur so gut wie die Absprachen dahinter. Am Anfang steht die Frage, welche Artikel überhaupt ins Lager kommen, und für jede Position ein Mindest- und ein Höchstbestand. Danach geht es um den Takt: Wie und wie oft meldet der Kunde seine Entnahmen, und in welchem Rhythmus wird abgerechnet?
Genauso wichtig ist die Frage, wer den Bestand zählt und wie Differenzen geklärt werden. Dazu kommen Versicherung und Haftung, also wer das Lager versichert und wer bei Beschädigung oder Verlust haftet.
Bleibt das Ende. Was geschieht mit Ware, die lange nicht entnommen wird, und wie geht sie zurück? Wie endet der Vertrag, und was passiert dann mit dem Restbestand? SAP nennt für lieferantengeführte Bestände dieselben Grundpunkte: Rollen und Verantwortung, Lieferpläne, Mindest- und Höchstauffüllmengen sowie Rückgaberegeln. Festgelegt werden sie vor dem Start, nicht erst, wenn es hakt.
Vorteile und Nachteile
Für den Kunden sinkt die Kapitalbindung, weil die Ware erst nach der Entnahme berechnet wird. Das Material ist bereits geprüft und in der vereinbarten Menge vor Ort, das sichert die Versorgung ab. Im Einkauf fällt Arbeit weg, denn statt vieler Einzelbestellungen kommt eine Sammelabrechnung.
Steht das Lager beim Kunden, entfällt für den Lieferanten oft die Lagermiete. Weil er Eigentümer bleibt, ist er bei einer Insolvenz des Kunden in der Regel geschützt. Ein gut laufendes Konsignationslager bindet den Kunden auch: Eine Entnahme macht weniger Aufwand als eine neue Bestellung bei einem anderen Anbieter.
Umsonst ist das für keine Seite. Der Lieferant finanziert den Bestand vor und trägt das Risiko für Ware, die liegen bleibt. Der Kunde stellt die Fläche und muss jede Entnahme sauber erfassen, sonst stimmen Bestand und Rechnung nicht überein.
Konsignationslager, VMI, Kommissionslager und Rahmenauftrag
Die vier Begriffe werden oft durcheinander verwendet, beschreiben aber verschiedene Dinge. Unterscheiden lassen sie sich an drei Fragen: wer den Bestand steuert, wem die Ware gehört und wann berechnet wird.
| Modell | Wer steuert den Bestand | Wem gehört die Ware im Lager | Wann wird berechnet |
|---|---|---|---|
| Konsignationslager | Lieferant, nach Absprache mit dem Kunden | dem Lieferanten, bis zur Entnahme | bei Entnahme, oft monatlich gesammelt |
| Vendor Managed Inventory (VMI) | Lieferant, auf Basis der Verbrauchsdaten des Kunden | beim klassischen VMI dem Kunden ab Lieferung, wie bei einer normalen Bestellung | Rechnungsstellung meist wie bei einer normalen Lieferung |
| Kommissionslager | ein Kommissionär, der Ware des Lieferanten an Dritte verkauft | dem Lieferanten, bis zum Verkauf | beim Verkauf an den Dritten |
| Rahmenauftrag mit Abruf | Kunde, über seine Abrufe | dem Lieferanten, bis zur Lieferung des Abrufs | je Abruf, zu Preisen aus dem Rahmenauftrag |
Quellen: Wikipedia, Konsignationslager und Vendor-managed Inventory; IHK Köln. Die Zeile zum Rahmenauftrag beschreibt das übliche Modell, Einzelheiten regelt der jeweilige Vertrag.
Am nächsten liegen Konsignationslager und Rahmenauftrag. Beim Rahmenauftrag gehört die Ware dem Lieferanten, bis ein Abruf geliefert ist, und berechnet wird je Abruf. Beim Konsignationslager liegt sie schon beim Kunden, berechnet wird erst mit der Entnahme.
Was ist der Unterschied zwischen Konsignationslager und VMI?
Beim Vendor Managed Inventory übernimmt der Lieferant die Verantwortung für den Bestand seiner Produkte beim Kunden. Er löst Nachlieferungen selbst aus, ohne dass der Kunde bestellt. Die nachgelagerten kaufmännischen Prozesse, also auch die Rechnung, ändert VMI im Allgemeinen nicht. Das Konsignationslager ist eine von drei Formen des VMI: Hier gehört dem Lieferanten ein Teil des Lagers beim Kunden, und die Ware bleibt bis zur Entnahme seine.
Umsatzsteuer: Konsignationslager in einem anderen EU-Staat
Liegen Lieferant und Lager in verschiedenen EU-Staaten, gilt seit dem 1. Januar 2020 eine EU-weite Vereinfachung, in Deutschland umgesetzt in § 6b UStG. Sind die Voraussetzungen erfüllt, knüpft die Besteuerung erst an die Entnahme an.
Früher war schon das Verbringen der Ware ins Lager eine innergemeinschaftliche Lieferung an sich selbst. Der Lieferant musste sich dann im Land des Lagers umsatzsteuerlich registrieren. Nach der neuen Regelung gilt erst die Entnahme durch den Kunden als innergemeinschaftliche Lieferung im Abgangsstaat und als innergemeinschaftlicher Erwerb im Bestimmungsstaat.
Die wichtigsten Bedingungen aus § 6b UStG:
- Der Lieferant hat im Bestimmungsstaat weder Sitz noch Betriebsstätte.
- Der Kunde verwendet bis zum Beginn des Transports seine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer aus dem Bestimmungsstaat.
- Der Lieferant zeichnet die Verbringung gesondert auf und meldet sie in der Zusammenfassenden Meldung.
- Die Entnahme erfolgt innerhalb von zwölf Monaten nach Ende des Transports. Sonst gilt am Tag nach Ablauf der Frist die Ware als innergemeinschaftlich verbracht.
Das BMF hat die Anwendung mit Schreiben vom 10. Dezember 2021 in den Umsatzsteuer-Anwendungserlass übernommen. Unterschätzen sollte man die Aufzeichnungspflichten nicht: Sie sind aufwendig und nach Einschätzung von Rödl & Partner selbst eine Voraussetzung für die Regelung. Stand: 26.09.2026. Dieser Abschnitt ist keine Steuerberatung, klären Sie die Einzelheiten mit Ihrer Steuerberatung.
So löst NORM+DREH das: Rahmen mit Abruf
Ein Konsignationslager führt NORM+DREH nicht. Bei laufendem Bedarf an Verbindungs- und Zeichnungsteilen arbeiten wir mit einem Rahmenauftrag über Ihre Jahresmenge. Die Ware bevorraten wir bei uns oder im Partnerlager, nicht in Ihrem Werk. Sie rufen Teilmengen per Mail, Telefon oder Bestellung ab, berechnet wird bei Lieferung, und Ihre Lagerfläche bleibt frei. Lieferzeiten individuell nach Artikel, Fertigungsverfahren und Projektumfang auf Anfrage. Mehr zu Rahmen und Abruf finden Sie auf der Seite C-Teile-Management.
Häufige Fragen zum Konsignationslager
Wem gehört die Ware im Konsignationslager?
Dem Lieferanten, bis der Kunde sie entnimmt. Bis dahin steht sie in seiner Bilanz, erst mit der Entnahme gehen Verfügungsmacht und Eigentum auf den Kunden über.
Wann wird die Ware aus dem Konsignationslager bezahlt?
Mit der Entnahme entsteht die Lieferung und damit die Grundlage für die Rechnung. Abgerechnet wird häufig monatlich über alle Entnahmen des Zeitraums.
Welche Vorteile hat ein Konsignationslager?
Der Kunde bindet weniger Kapital und hat geprüfte Ware in der vereinbarten Menge vor Ort. Der Lieferant bleibt Eigentümer und spart bei einem Lager im Kundenwerk in der Regel die Lagerkosten.
Wie heißt Konsignationslager auf Englisch?
Gebräuchlich ist consignment inventory. Ein Lager, das exklusiv für einen Kunden eingerichtet ist, heißt im umsatzsteuerlichen Zusammenhang call-off stock.
Ist ein Konsignationslager dasselbe wie Vendor Managed Inventory?
Nicht ganz. Das Konsignationslager ist eine Form des VMI, bei der die Ware bis zur Entnahme dem Lieferanten gehört. Beim klassischen VMI folgt die Rechnung meist wie bei einer normalen Lieferung.
