Verfahren

Schraubensicherung richtig auswählen

Eine Schraubensicherung soll die Vorspannkraft einer Schraubverbindung halten oder zumindest verhindern, dass die Verbindung auseinanderfällt. Welche Sicherung passt, entscheidet die Belastung. Gegen Setzen unter statischer Last helfen Setzsicherungen, gegen Losdrehen unter dynamischer Querlast formschlüssige, keilende oder klebende Losdrehsicherungen.

Veröffentlicht am
September 26, 2026
6
Min. Lesezeit
Verschiedene Schrauben und Muttern als Sinnbild für unterschiedliche Schraubensicherungen

Kurz beantwortet

  • Schraubverbindungen lösen sich auf zwei Wegen: durch Setzen unter statischer Last oder durch selbsttätiges Losdrehen unter Querbewegung.
  • Klemmende Beschichtungen nach DIN 267-28 zählen zu den Verliersicherungen, sie halten die Verbindung zusammen, aber nicht die volle Vorspannkraft.
  • Losdrehsicherungen wie mikroverkapselte Klebstoffe nach DIN 267-27 halten die Vorspannkraft in der Regel über 80 Prozent.
  • Federringe, Zahnscheiben und Fächerscheiben gelten als unwirksam, ihre Normen sind zurückgezogen.
  • Bei Serienteilen kann die Sicherung ab Werk auf dem Gewinde sitzen, statt bei der Montage flüssig aufgetragen zu werden.
  • Bis zu vier Jahre lagerbeständig gemäß DIN 267-27 und DIN 267-28 – abhängig von Beschichtung, Anwendungszweck und Lagerbedingungen. Individuelle Angaben gerne auf Anfrage.

Ob Federring, Klebstoff oder Sperrzahnflansch: Welche Sicherung etwas taugt, lässt sich erst sagen, wenn feststeht, wie sich die Verbindung lösen würde. Unter statischer Last setzt sie sich, unter Vibration und Querkraft dreht sie sich los. Für beides gibt es eigene Lösungen. Und einige Elemente, die noch in vielen Stücklisten stehen, sichern nachweislich gar nicht.

Warum sich Schraubverbindungen lösen

Eine Schraubverbindung hält, solange genug Vorspannkraft in ihr steckt. Diese Kraft geht auf zwei Wegen verloren, die sich in Ursache und Abhilfe unterscheiden.

Der erste Weg ist das Lockern durch Setzen. Rauheiten an den Oberflächen ebnen sich ein, weiche Werkstoffe kriechen, und jede zusätzliche Trennfuge vergrößert den Setzbetrag. Dafür muss sich die Schraube nicht einmal drehen. Es passiert schon unter statischer Last.

Beim selbsttätigen Losdrehen dagegen verschieben sich die verspannten Bauteile unter dynamischer Querlast gegeneinander. Dabei entsteht ein inneres Losdrehmoment, das die Selbsthemmung im Gewinde und an den Auflageflächen überwinden kann. Je nach Frequenz der Lastwechsel lockert sich die Verbindung dann, im schlimmsten Fall fällt sie auseinander.

Die erste Sicherung ist deshalb die Konstruktion selbst. Der Technische Leitfaden von Reyher, der sich auf DIN 25201-4 stützt, empfiehlt zuerst wenige Trennfugen, keine unnötigen Unterlegscheiben und unter hochfesten Schrauben ab Festigkeitsklasse 8.8 keine weichen Scheiben nach DIN 125. Ein Sicherungselement kommt erst dazu, wenn das nicht reicht.

Welche Schraubensicherungen gibt es?

Fachlich unterscheidet man Setzsicherung, Verliersicherung und Losdrehsicherung. Die drei Gruppen wirken gegen unterschiedliche Schadensbilder und halten unterschiedlich viel Vorspannkraft, wie die Übersicht zeigt.

ArtWirkt gegenWas von der Vorspannkraft bleibtBeispiele
SetzsicherungLockern durch Setzen bei statischer Lastgleicht Setzbeträge in begrenztem Umfang ausSpannscheiben nach DIN 6796
VerliersicherungAuseinanderfallen der Verbindungin der Regel etwa 20 Prozentklemmende Beschichtung nach DIN 267-28, Muttern mit Klemmteil nach ISO 2320, gewindefurchende Schrauben
Losdrehsicherungselbsttätiges Losdrehen bei dynamischer Querlastin der Regel nicht unter 80 ProzentSperrzahn- und Rippenflansche, Keilsicherungsscheiben, klebende Sicherung nach DIN 267-27

Quelle der Prozentwerte: Reyher, Sichern von Schraubverbindungen.

Entscheidend ist die Grenze zwischen Verlier- und Losdrehsicherung. Eine Verliersicherung sorgt dafür, dass nichts herunterfällt. Die Verbindung kann dabei aber einen Großteil ihrer Vorspannkraft verlieren.

Formschlüssige und keilende Sicherungen

Mechanische Schraubensicherungen arbeiten mit Formschluss. Sperrzähne oder Rippen unter Kopf oder Mutter graben sich in die Auflagefläche ein. Auf weichen Werkstoffen wie Aluminium oder Baustahl steigt dabei die Gesamtreibzahl auf 0,2 bis 0,3, und das Anziehdrehmoment muss entsprechend angepasst werden.

Keilsicherungsscheiben arbeiten paarweise. Ihr Keilwinkel ist größer als der Steigungswinkel des Gewindes. Will sich die Schraube losdrehen, erhöht sich dadurch die Vorspannkraft, statt abzufallen.

Klemmende und klebende Sicherungen

Klemmende Sicherungen erzeugen Reibschluss im Gewinde, etwa über eine Kunststoffbeschichtung als Fleck, Streifen oder rundum. Was eine klemmende Beschichtung auf Stahlschrauben leisten muss, legt DIN 267-28 fest. Nach Reyher zählen sie zu den Verliersicherungen: Die Verbindung fällt nicht auseinander, ein deutlicher Verlust an Vorspannkraft ist aber möglich.

Klebende Sicherungen stellen einen Stoffschluss im Gewinde her. Bei der mikroverkapselten Variante sitzen Kapseln mit Kleber und Härter auf dem Gewinde. Beim Verschrauben brechen sie auf, die beiden Komponenten mischen sich und härten aus. In der Regel ist die Verbindung nach 24 Stunden gegen Losdrehen gesichert und zugleich abgedichtet. Diese MK-Beschichtung beschreibt DIN 267-27.

DIN 267-28 und DIN 267-27 im Vergleich

Beide Normen gelten für Schrauben aus Stahl mit metrischem ISO-Gewinde nach DIN ISO 261, ziehen aber bei Gewindegröße und Temperatur unterschiedliche Grenzen. Genau diese Grenzen werden bei der Auslegung am häufigsten verwechselt.

DIN 267-28, klemmendDIN 267-27, klebend (MK)
Aktuelle Ausgabe2026-02, ersetzt 2009-092024-07
RegelgewindeM3 bis M18M3 bis M39
FeingewindeM8 bis M18M8 bis M39
Festigkeitsklassennach DIN EN ISO 898-1, DIN EN ISO 3506-1 und 3506-5, DIN 267-13nach DIN EN ISO 898-1, DIN EN ISO 3506-1, DIN 267-13
Anwendungstemperaturminus 50 bis plus 120 °C, je nach Anwendungsvorgabe bis 150 oder 200 °Cminus 50 bis plus 100 °C, je nach Anwendungsvorgabe bis 150 °C
WirkprinzipReibschluss im GewindeStoffschluss nach dem Aushärten

Quelle: DIN Media, Normseiten DIN 267-28 und DIN 267-27, abgerufen am 26.09.2026.

Oberhalb von M18 deckt von den beiden Normen also nur DIN 267-27 das Gewinde ab. Bei hoher Einsatztemperatur reicht dagegen DIN 267-28 weiter.

Aus der Praxis kommen zwei Punkte dazu. Auf Zinklamellenüberzügen, Versiegelungen oder Beschichtungen mit Gleitmittel kann das Losbrechmoment einer mikroverkapselten Sicherung unter den Werten von DIN 267-27 liegen. Reyher empfiehlt deshalb Versuche unter Einsatzbedingungen, bevor die Serie anläuft. Und klebende Sicherungen sind in der Temperatur begrenzt, je nach Produkt liegt die Obergrenze zwischen 110 und 200 °C.

Welche Schraubensicherungen nicht wirken

Federringe, Zahnscheiben, Fächerscheiben und einige weitere Elemente sichern nachweislich nicht, ihre Normen sind zurückgezogen. In vielen Stücklisten stehen sie trotzdem noch.

Bei statischer Belastung gelten Federringe nach DIN 127 und DIN 128 sowie Federscheiben nach DIN 137 als unwirksam. Ein Federring liegt schon bei 5 Prozent der Nennvorspannkraft einer Schraube der Festigkeitsklasse 8.8 auf Block. Ab da wirkt er nur noch wie eine Unterlegscheibe.

Bei dynamischer Belastung gelten Fächerscheiben nach DIN 6798 und Zahnscheiben nach DIN 6797 als unwirksam, ebenso Sicherungsbleche nach DIN 93, DIN 432 und DIN 463, Sicherungsnäpfe nach DIN 526 und Palmuttern nach DIN 7967. Auch das Kontern mit einer zweiten Mutter sichert hier nicht.

Finden Sie eine dieser Positionen in einer Bestandszeichnung, bestellen Sie das Element am besten nicht einfach nach. Die Verbindung sollte neu bewertet werden.

Flüssig bei der Montage oder beschichtet ab Werk

Für kleine Stückzahlen eignet sich flüssiger Klebstoff, der in der Montage aufgetragen wird, für große Stückzahlen die Beschichtung vor der Montage. So ordnet es Reyher ein.

Anaerob härtende Flüssigklebstoffe kommen erst bei der Montage auf das Gewinde. Sie härten unter Luftabschluss und Metallkontakt aus und eignen sich laut Reyher für kleine Stückzahlen und den universellen Einsatz.

Mikroverkapselte Beschichtungen werden dagegen vorher in einem eigenen Beschichtungsprozess aufgebracht. Das Teil kommt fertig gesichert an die Linie, in der Montage fällt ein Arbeitsschritt weg.

Bei Serienteilen steht deshalb eine Frage vor der Wahl des Klebstoffs: An welcher Stelle der Kette kommt die Sicherung auf das Teil?

Wie NORM+DREH das löst
Bei uns kommt die Gewindesicherung mit dem Verbindungsteil, das Sie ohnehin bestellen: klemmend nach DIN 267 Teil 28, mikroverkapselt klebend nach DIN 267 Teil 27, als Tuflok mit Nylonschicht auf dem Gewinde oder als Fadensicherung NormTight. Welches Verfahren passt, hängt von Gewinde, Oberfläche und Einsatztemperatur Ihrer Verbindung ab. Senden Sie uns dazu gerne Ihre Zeichnung, wir prüfen das passende Verfahren. Mehr dazu auf der Seite Gewindesicherung ab Werk.

Häufige Fragen zur Schraubensicherung

Welche Schraubensicherung ist die beste?

Das entscheidet die Belastung. Gegen selbsttätiges Losdrehen unter dynamischer Querlast halten formschlüssige, keilende und klebende Losdrehsicherungen die Vorspannkraft in der Regel über 80 Prozent. Verliersicherungen verhindern nur das Auseinanderfallen.

Wie funktioniert eine mikroverkapselte Schraubensicherung?

Mikrokapseln mit Klebstoff und Härter sitzen auf dem Gewinde und brechen beim Eindrehen auf. Die Stoffe mischen sich und härten in der Regel innerhalb von 24 Stunden aus. Die Anforderungen für Stahlschrauben von M3 bis M39 legt DIN 267-27 fest.

Sind Federringe noch als Schraubensicherung zulässig?

Federringe nach DIN 127 und DIN 128 gelten als unwirksam, ihre Normen sind zurückgezogen. Schon bei 5 Prozent der Nennvorspannkraft einer 8.8-Schraube liegen sie auf Block und wirken nur noch wie eine Unterlegscheibe.

Welche Schraubensicherung ist hitzebeständig?

Klebende Sicherungen halten je nach Produkt bis 110 oder bis 200 °C. Für mikroverkapselte Beschichtungen nach DIN 267-27 liegt die Grenze bei plus 100 °C, je nach Anwendungsvorgabe bei 150 °C, für klemmende Beschichtungen nach DIN 267-28 bei plus 120 °C, je nach Anwendungsvorgabe bei 150 oder 200 °C. Darüber empfiehlt Reyher metallische Sicherungselemente mit Form- oder Reibschluss.

Was ist eine Alternative zu flüssiger Schraubensicherung?

Für Serien eine Beschichtung ab Werk, klemmend nach DIN 267-28 oder mikroverkapselt nach DIN 267-27. Die Schraube kommt fertig gesichert an, der Auftrag von Hand in der Montage entfällt.

Produkt
Gewindesicherung ab Werk

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