Qualität

Erstmusterprüfbericht (EMPB) und PPAP erklärt

Ein Erstmusterprüfbericht, kurz EMPB, dokumentiert die Prüfung der ersten Teile, die unter Serienbedingungen gefertigt wurden, und stellt Soll- und Ist-Werte aus der Zeichnung gegenüber. Erst wenn der Kunde den Bericht und die Muster freigibt, darf die Serie anlaufen.

Veröffentlicht am
September 22, 2026
6
Min. Lesezeit
Mitarbeiterin kontrolliert ein 3D-Bauteilmodell am Bildschirm im Rahmen der Erstmusterprüfung

Kurz beantwortet

  • Erstmuster sind Teile, die vollständig mit Serienbetriebsmitteln und unter Serienbedingungen hergestellt wurden.
  • Der EMPB vergleicht jedes Merkmal der Zeichnung mit dem gemessenen Ist-Wert.
  • In der Automobilindustrie ist der EMPB Teil der Produktionsprozess- und Produktfreigabe (PPF) nach VDA Band 2, im nordamerikanischen Raum Teil des PPAP nach AIAG.
  • Seit der sechsten Ausgabe von VDA Band 2 (April 2020) gibt es keine festen Vorlagestufen mehr, Umfang und Nachweise werden vorab vereinbart.
  • Nach einer Zeichnungsänderung, einem Werkstoffwechsel oder einer Verlagerung der Fertigung ist eine neue Bemusterung fällig.

Wer ein neues Zeichnungsteil einkauft oder den Lieferanten wechselt, kommt am Erstmusterprüfbericht nicht vorbei. An diesem Dokument hängt die Serienfreigabe, und fällig wird es nicht nur beim ersten Auftrag.

Was ist ein Erstmuster?

Ein Erstmuster ist ein Teil, das vollständig mit Serienbetriebsmitteln und unter Serienbedingungen hergestellt wurde. Es kommt also aus demselben Werkzeug, von derselben Maschine und aus demselben Prozess, mit denen später auch die Serie läuft. Ein Prototyp aus der Werkstatt zählt nicht dazu.

Genau darin liegt der Wert des Berichts. Erfüllt das Erstmuster alle Merkmale, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch die Serie sie erfüllt. Das gilt allerdings nur, solange sich am Prozess nichts ändert.

Was steht in einem Erstmusterprüfbericht?

Im Kern steht eine vollständige Messung. An einem Teil aus Serienfertigung wird jedes Merkmal der Zeichnung geprüft, und zu jedem Merkmal stehen Soll-Wert, Toleranz und Ist-Wert nebeneinander. Die Plöckl Media Group, ein Dienstleister für Bemusterungen, beschreibt den Bericht als Protokoll nach DIN EN 9102, VDA oder Kundenvorgabe.

Rund um die Maßprüfung kommen je nach Teil weitere Nachweise hinzu. Die Tabelle zeigt die typischen Bestandteile, zusammengestellt nach Böllhoff (Bemusterungsdokumente nach Vorlagestufe) und PeakAvenue (Neuerungen VDA Band 2).

BestandteilInhalt
DeckblattTeil, Zeichnungsstand, Grund der Bemusterung, Lieferant, Kunde, Musterzahl
Maßprüfungjedes Maß der Zeichnung mit Soll, Toleranz und Ist
WerkstoffWerkstoffprüfung oder Prüfbescheinigung, bei Metallen oft ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204
OberflächeSchichtdicke, Beschichtung, bei Bedarf Korrosionsprüfung
Funktionetwa Drehmoment oder Losbrechmoment bei beschichteten Schrauben
Nachweise zum Prozessje nach Vereinbarung Prozess-FMEA, Produktionslenkungsplan, Prozessfähigkeit, Prüfmittelliste
FreigabeEntscheidung des Kunden mit Name, Datum und Unterschrift

Nicht jede Zeile ist in jedem Bericht gefordert. Was im Einzelfall dazugehört, legt der Kunde fest, und dafür gibt es vor der Bemusterung das Abstimmungsgespräch, das weiter unten im Ablauf beschrieben ist.

Wann ist eine Erstbemusterung fällig?

Immer dann, wenn sich etwas ändert, das das Teil beeinflussen kann. Eine Bemusterung gehört deshalb nicht nur an den Anfang einer Lieferbeziehung. Das Lexikon von QUALITY Services & Wissen nennt diese Anlässe:

  • ein neues Teil, das noch nie an den Kunden geliefert wurde
  • eine Änderung der Zeichnung, der Spezifikation oder des Werkstoffs
  • ein neues Fertigungsverfahren, ein neues oder geändertes Werkzeug oder die Verlagerung an einen anderen Standort
  • der Wechsel eines Zulieferers für Rohmaterial oder kritische Komponenten
  • die Behebung eines Fehlers, der zu einer Reklamation geführt hat
  • die Wiederaufnahme der Fertigung nach längerem Stillstand eines Werkzeugs

Für den Einkauf ist der dritte Punkt besonders wichtig. Wer den Lieferanten oder das Werk wechselt, braucht in der Regel eine neue Freigabe. Das gilt auch dann, wenn sich an der Zeichnung nichts geändert hat.

So läuft eine Bemusterung ab

Abstimmen, fertigen, prüfen, vorlegen, entscheiden: In dieser Reihenfolge läuft eine Bemusterung ab, und der erste Schritt passiert, bevor überhaupt ein Teil gefertigt ist.

Kunde und Lieferant legen zuerst Umfang, Musterzahl, geforderte Nachweise und Termine fest. Nach VDA Band 2 ist dieses Bemusterungsabstimmungsgespräch seit der sechsten Ausgabe Pflicht. Danach stellt der Lieferant die Muster her, mit Serienwerkzeugen, Serienwerkstoff und im Serienprozess. Maße, Werkstoff, Oberfläche und Funktion werden gemessen und protokolliert.

Bericht und physische Muster gehen anschließend an den Kunden, der eigene Gegenprüfungen machen kann. Er gibt frei, gibt unter Auflagen frei oder lehnt ab. Bei einer Ablehnung bessert der Lieferant nach und bemustert erneut, jedes Mal mit neuem Bericht.

Ist das Teil freigegeben, dient das Erstmuster als Referenz für alle späteren Lieferungen.

Wie unterscheiden sich EMPB, PPF und PPAP?

Der EMPB ist ein Dokument, PPF und PPAP sind Verfahren. Im Alltag werden die drei Begriffe oft gleichgesetzt, sie liegen aber auf verschiedenen Ebenen. Die Tabelle ordnet sie ein und nimmt DIN EN 9102 für die Luft- und Raumfahrt dazu.

BegriffWas es istHerkunft
EMPBder Bericht über die Prüfung der Erstmusterallgemein, Inhalt nach Kundenvorgabe, VDA oder DIN EN 9102
PPFProduktionsprozess- und Produktfreigabe, das gesamte Freigabeverfahren mit Prozess- und ProduktnachweisenVDA Band 2, Verband der Automobilindustrie
PPAPProduction Part Approval Process, das nordamerikanische Gegenstück zur PPFAIAG, Automotive Industry Action Group
DIN EN 9102Anforderungen an die Erstmusterprüfung in der Luft- und Raumfahrt, aktuelle Ausgabe 2025-01Europäische Norm EN 9102:2024

In der Automobilindustrie ist ein Erstmusterprüfbericht je nach Kunde Teil der PPF nach VDA Band 2 oder Teil des PPAP. Er ist dort ein Baustein des Verfahrens, nicht das ganze Verfahren.

Vorlagestufen nach VDA

Feste Vorlagestufen kennt VDA Band 2 heute nicht mehr. Bis zur fünften Ausgabe regelten sie, welche Unterlagen der Lieferant einreichen muss. Mit der sechsten Ausgabe vom April 2020 wurden sie aufgelöst. Seitdem gibt die Richtlinie eine feste Liste von Nachweisen vor, und der Kunde kann weitere als erforderlich kennzeichnen. In den Lieferantenanforderungen einzelner Kunden tauchen die alten Stufen trotzdem weiter auf.

Was ein Erstmusterprüfbericht nicht ersetzt

Der EMPB belegt, dass der Prozess das Teil richtig herstellen kann. Dass jede spätere Charge in Ordnung ist, belegt er nicht. Dafür gibt es die laufende Prüfung und die Prüfbescheinigung zur Lieferung, etwa ein Werkszeugnis 2.2 oder ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach DIN EN 10204.

Auch DIN EN ISO 16228, die Norm für Prüfbescheinigungen von Verbindungselementen, zieht diese Grenze ausdrücklich. Sie ist nicht für Anwendungen gedacht, die andere Verfahren wie Erstmuster erfordern.

Wie NORM+DREH das löst
Bei NORM+DREH erhalten Sie Freigabemuster mit vollständiger Dokumentation vor der Serienfreigabe. Im Rahmen eines Serienauftrags sind sie in der Regel kostenlos. Separate Vorabmuster ohne Serienbestellung bieten wir je Bauteil zum individuellen Pauschalpreis an. Daraus folgt keine pauschale Zusage kostenloser Werkzeuge. Sie prüfen das erste Teil also, bevor die Serie läuft. Jeder Wareneingang wird in unserer eigenen Qualitätsabteilung in Velbert geprüft, zertifiziert nach DIN EN ISO 9001 und DIN EN ISO 14001. Welche Nachweise zur Bemusterung gehören, legen wir mit dem Angebot fest. Senden Sie uns Ihre Zeichnung, dann klären wir den Umfang der Bemusterung gleich mit. Mehr zu Prüfung und Nachweisen auf der Seite Qualität und Prüfzeugnisse.

Häufige Fragen zum Erstmusterprüfbericht

Was bedeutet EMPB?

EMPB steht für Erstmusterprüfbericht. Er dokumentiert die Prüfung der ersten Teile aus Serienfertigung und vergleicht jedes Merkmal der Zeichnung mit dem gemessenen Wert.

Was ist der Unterschied zwischen EMPB und PPAP?

Der EMPB ist ein Prüfbericht. PPAP ist das Freigabeverfahren der nordamerikanischen Automobilindustrie nach AIAG und umfasst neben der Musterprüfung auch Nachweise zum Prozess. Das europäische Gegenstück ist die PPF nach VDA Band 2.

Wann muss ein Erstmusterprüfbericht neu erstellt werden?

Bei jeder Änderung, die das Teil beeinflussen kann, also etwa bei neuer Zeichnung, anderem Werkstoff, neuem Werkzeug, neuem Standort oder neuem Rohmaterial-Lieferanten. Auch nach einer Reklamation und nach längerem Werkzeugstillstand wird neu bemustert.

Wie viele Teile gehören zu einer Erstbemusterung?

Das legen Kunde und Lieferant vorab fest. Eine feste Zahl schreiben weder VDA Band 2 noch PPAP allgemein vor.

Gibt es eine Vorlage für den Erstmusterprüfbericht?

Viele Kunden geben ein eigenes Formular vor. Im Automobilbereich richtet sich der Aufbau nach VDA Band 2 oder dem PPAP-Handbuch der AIAG, in der Luft- und Raumfahrt nach DIN EN 9102.

Produkt
Qualität und Prüfzeugnisse

Weiterlesen

No items found.